Klimatologie


Klimatologie
Klimaforschung

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Kli|ma|to|lo|gie 〈f. 19; unz.〉 Lehre vom Klima, von den Witterungsvorgängen (in großen Gebieten); Sy Klimakunde [<Klima + grch. logos „Lehre, Kunde“]

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Kli|ma|to|lo|gie, die; - [-logie]:
Wissenschaft u. Lehre vom Klima (1 a).

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Klimatologie
 
die, -, Klimakunde, Wissenschaft vom Klima, der Klimaänderungen und deren Auswirkungen; primär Teilgebiet der Meteorologie, in den erdkundlichen Bezügen und Auswirkungen auch der Geographie (Klimageographie), bezüglich der paläoklimatologischen (Paläoklimatologie) Rekonstruktionen auch der Geologie, Glaziologie und Biologie, in den Grundlagen auch der Physik und Chemie u. a., somit ausgeprägt interdisziplinär.
 
Inhaltlich gliedert sich die Klimatologie in die klimatologische Informationserfassung (Erfassung von Klimadaten, neo- beziehungsweise paläoklimatologisch beziehungsweise historisch, Klimaänderungen, Paläoklimatologie), die Klimadiagnostik, welche die mathematisch-statistische Analyse der räumlich-zeitlichen Strukturen dieser Klimadaten besorgt (hinsichtlich Klimazuständen, Klima und Klimaänderungen) und abgrenzbare physikochemische Klimaprozesse untersucht (Strahlung, Zirkulation der Atmosphäre u. a.), die Klimamodellierung (Klimamodelle) zur näherungsweisen Simulation des Zusammenwirkens der Klimaprozesse sowie die Betrachtung der ökologisch-ökonomisch-sozialen Auswirkungen von Klima und Klimaänderungen, der Klimawirkungsforschung.
 
In den letzten Jahrzehnten sind insbesondere die Möglichkeiten und Ergebnisse der Paläoklimatologie sowie der Klimamodellierung enorm angewachsen; aber auch die Methoden der statistisch-mathematischen Klimadiagnose haben sich wesentlich weiterentwickelt, wobei ein Übergang von der mehr oder weniger reinen Mittelwertsklimatologie zur Schwankungsklimatologie oder Variationsklimatologie festzustellen ist, welche die ganze Vielfalt der Klimaänderungen mit einbezieht. Räumlich werden die Mikroklimatologie von der Mesoklimatologie und Makroklimatologie unterschieden (Klima).
 
Die überaus vielfältigen und komplizierten Prozesse im Klimasystem haben eine besondere physikalische Klimatologie entstehen lassen; weiterhin ist auch die Luftchemie für die Klimatologie von Bedeutung. Da ein vollständiges Verständnis der Klimaprozesse in absehbarer Zeit als unmöglich angesehen wird, ist die (vorwiegend physikalische) Klimamodellierung ein besonders wichtiges Hilfsmittel der Klimatologie, was durch die Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung und entsprechenden Großrechenanlagen erst möglich geworden ist. Dabei bestehen Querverbindungen zu den in der synoptischen Meteorologie üblichen Methoden und Modellen der Wettervorhersage.
 
Die angewandte Klimatologie ist für folgende Bereiche bedeutsam: Bauwesen und Bautechnik (technische Klimatologie; z. B. Wärmedämmung von Gebäuden, Auslegung von Heizungs- und Klimaanlagen, Kanalisation, Berücksichtigung der Windbelastung usw.), Verkehr (z. B. Flugzeugbau, Flugwege, Schifffahrtsrouten, Landverkehrstrassen), Energiewesen (Nutzung von Wasser-, Wind- und Sonnenenergie), Wasserwirtschaft (Hydrometeorologie; z. B. Planungen zum Hochwasserschutz und zur Wasserverfügbarkeit), Landwirtschaft (Bioklimatologie; Agrarmeteorologie, z. B. Anbauoptimierung, Frostschutz), Forstwirtschaft (z. B. Abschätzung klimatologischer Stressfaktoren, Vorbeugung gegen Hangrutsch), Wirtschaft allgemein (Wirtschaftsklimatologie, z. B. Energiebedarf, umweltschonende Produkte), Gesundheitswesen (z. B. Hitze- und Kältebelastung, Schadstoffbelastung, Höhentherapie), Luftreinhaltung, umweltbezogene Standort-, Stadt-, Regional- und Landesplanung, Politik (nationale und internationale Gesetze beziehungsweise Konventionen zum Umwelt- beziehungsweise Klimaschutz; Klimarahmenkonvention).
 
 
Der Begriff Klima wurde von Eudoxos von Knidos zur Bezeichnung jener astronomisch-mathematisch bestimmten Breitenkreise eingeführt, die zur Abgrenzung der um 400 v. Chr. eingeführten fünf mathematischen oder solaren Klimazonen der Erde dienten. Von Poseidonios wurden die Klimazonen mit der Verbreitung der Menschenrassen, Tiere und Pflanzen verknüpft, sodass man seit dieser Zeit von einer - wenn auch vorwiegend spekulativen - Klimatologie sprechen kann. Die wissenschaftliche Klimatologie setzte erst nach Erfindung meteorologischer Messinstrumente im 17. und 18. Jahrhundert sowie nach Einrichtung von Beobachtungsnetzen ein (erster Vorschlag von O. von Guericke um 1600; erstes Netz von Beobachtungsstationen durch die 1780 in Mannheim gegründete Societas Meteorologica Palatina). Um die moderne Entwicklung der Klimatologie (gegen Ende des 19. Jahrhunderts) machten sich besonders G. Hellmann, J. Edler von Hann und W. Köppen verdient. (Meteorologie)
 
Literatur: Klima.
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Klima: Modellrechnungen
 
Klima: Schutzmaßnahmen
 

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Kli|ma|to|lo|gie, die; - [↑-logie]: Wissenschaft u. Lehre vom ↑Klima (1 a); Klimakunde.

Universal-Lexikon. 2012.

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